Credo

 

DIE FACKEL / THE TORCH

 

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EIN MANIFEST

FÜR DEN NEUEN ARCHETYPUS KÜNSTLER
 

Die Annahme, das Bewusstsein kontrolliere das Animalische im Menschen, hat dieser höchstpersönlich ad absurdum geführt. Es dient einzig dazu, seinen Intellekt noch rationaler und effizienter für seine Machtansprüche einzusetzen, als es sonst ein Lebewesen auf der Erde tun könnte.

Der Mensch, das intellektuell perfektionierte Tier, besitzt allein durch die im modernen Künstlertypus umgesetzte Vermischung aus apollinischer Ratio und dionysischer Kreativität die wohl einzige reelle Option, seine Ewige Wiederkehr - den steten Kreislauf derselben Fehler - durch das Erreichen einer höherwertigen Bewusstseinsplattform zu durchbrechen.

Es existieren viele gehaltvolle und wichtige Texte, deren Autoren sich den Anschein geben, zu wissen, wovon sie schreiben. Andere wichtige Leute richten ihre Reden an ihnen aus und spulen sich am roten Faden des Geschriebenen auf, um es zu widerlegen, zu begrüßen, abzulehnen, zu interpretierten, zu kopieren oder zu zitieren. Doch das Herbeten von Bekanntem, und sei es noch so faszinierend, hat mit einem eigenen Weiterdenken nichts zu tun und hilft in der aufgeblähten Fülle des selbst initiierten Weihrauchdunstes keinem weiter.

Wer das Unbekannte verstehen will, beschreite einen der unbekannten Wege, von denen es viele gibt, aber nur einer davon der seine ist. Der Suchende muss seine eigenen Gedanken entwickeln und sie soweit begleiten, wie ihm das Irdischsein Zeit dazu lässt.
Jede Philosophie ist nur der Anfang eines unbekannten Weges, dessen Ende ewig offen bleibt, damit andere, nachfolgende Generationen den Faden aufnehmen und ihn weiterspinnen - weiterdenken – können. Nur so haben die aktuell notwendigen, aber immer subjektiven Zeitgeistwahrheiten einen Sinn für die Zukunft.
Ein philosophischer Gedanke ist unendlich, mit den fertigen beginnen die Ideologien, die Wahrheiten, die Dogmen und das Besserwissen, von wo es nicht mehr weit bis zu den Religionen ist, die ihre Ausschließlichkeitsansprüche in eine der ursprünglichen Bedeutung entkleidete Toleranz kleiden und die unvoreingenommene Respektierung sonstigen Seins durch eine politisch korrekte Form intoleranter Machtansprüche ersetzen.

Die individuell freien Gedanken, samt ihren Fehlern, Sackgassen und Irrwegen, sind dem Menschen in einem geistig verödeten Konsum- und Medienumfeld vollständig abhanden gekommen. Blind folgt er seinem manipulierten Bewusstsein und den Pseudowerten, Moden und Trends. Das willige Hinnehmen suggestiver Täuschungen ist eine Ursache dafür, dass er sich seine Urwerte, seine Triebe und seine Instinkte – im wahrsten Wortsinne – demoralisieren ließ.

Drogen, Brot und Spiele. Der im Opiumdunst bequem eingerichtete westliche Mensch des Elektronikzeitalters hat sich mit der für ihn angenehmen Situation arrangiert und vermeidet jedes schmerzhafte Denken. Stattdessen spielt er den Überlegenen und lebt aus dem komplexen Kontext gerissene Theorien, die ihn in seiner Bequemlichkeit unterstützen. Der Rest interessiert ihn nicht, er gefällt sich lieber in seinem Selbstmitleid, dem Wohlstandsleid. Das wirkliche Leid der Welt, das Elend der Elenden, ist deren Problem. Für andere leiden? Nie und nimmer.

Wen kann der Mensch nicht ertragen? Sich selber.

Philosophie ist die Frage nach dem Woher und dem Wohin der ganzheitlichen Identität und nicht nach der individuellen Perfektion einer, wie auch immer gearteten, Egozentrik. Der moderne Mensch war nie modern und wird es nie sein; er ist der alte: sein Wesen ist erbärmlich, sein Opportunismus opportun und seine Wertegewichtung materiell.

Bleibt das Denken der einsame Prozess auf eisigen Höhen, dem niemand folgen will?

Die nihilistische Ablehnung der Gesellschaft ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer pathologischen Dekadenz und eine billige Rechtfertigung für den umgewerteten Willen - das Kranksein am Willen. Jenes Nichtwollen, in deren Konsequenz die mitlaufende Herde aus den nachäffenden Kopisten immer breiter und prägender wird. Doch im Gegensatz zu den Tieren steht der Herde die Mittelmäßigkeit vor und nicht das Beste, das inzwischen in der Dominanz des mehrheitlichen Wahrheitsanspruches in der Wüste der Dummheit intellektuell verkümmert. Darum:

Philosophen, philosophiert wieder!
Denker, denkt wieder!
Dichter, dichtet wieder!
Maler, malt wieder!

Künstler des apollinischen Dionysos, lasst uns die Funken isolierten Denkens zu den Flammen einer Fackel bündeln. Auch wenn sie im eisigen Winde in alle Richtungen zerren, von der Fackel kommen sie nur los, um im ewigen Kreislauf der entfachten Steppenbrände zu verglühen oder in einsamer Eiseskälte zu verlöschen.
Das Fackelfeuer soll in der Verschiedenartigkeit seiner sprühenden Funken die geistigen Himmel über dem neuen, höherwertigen Plateau der tausend Wege erleuchten, aber keinen speziellen Pfad weisen oder versperren.

Die Fackel folgt der Tradition der altgriechischen Stoa, deren offener Säulengang zugleich für die Lastverteilung auf mehreren Meinungsschultern und der Gedankenunabhängigkeit von dogmatischen Lehrmeinungen elitärer Zirkel und Universitätshörsälen steht.
Ihr lautes Flackern, das keine der vielen nutzlosen und gefährlichen Ideologien und Programme sondern die Gedankenwege ohne Wahrheitsanspruch oder Zeigefinger erhellt, soll auch keiner der gesellschaftlichen Totengräber mehr überhören können.

Ohne das Denken stirbt der menschliche Anspruch, noch weiterhin ein revolutionärer Teil der Evolution zu sein.

Des Menschen größte Stärke ist der Glaube, seine größte Schwäche sind die Religionen, mit ihrer Moral, die das Priestertum erfand, weil ihre Götter alleine nicht reichten, die Urwerte des Unterbewusstseins zu verschütten, um sie durch eigene Pseudowerte zu ersetzen. Moral ist das ideologische Programm der realen Institution Religion.

Lasst uns nach Nietzsches Entlarvung der Götter nun endlich auch die Moral demaskieren! Schleudern wir eine Fackel in die Niederungen des Denkens, den geistigen Horizont der Welt zu erhellen, damit ein jeder seinen Spur findet. Viele Spuren bilden einen Pfad, die Pfade einen Weg, die Wege eine Straße zu den Strömen, die ins Meer der geistigen Erneuerung fließen.